Diabetes-Facts

Diabetes mellitus: Facts & Tipps zur Normaliserung des Blutzuckers beim Dawn-Phänomen

blutzuckerMit meinem heutigen Artikel möchte ich euch ein wenig Hintergrundwissen zur Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) vermitteln. Auch wenn du selbst nicht von Diabetes betroffen bist, hoffe ich, dass dich die eine oder andere Information interessiert. :)

Die Basics: Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselkrankheit. Die Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse eines Diabetikers funktionieren nicht mehr, sprich der Pankreas kann kein (Typ 1, absoluter Insulinmangel) oder nicht mehr genügend Insulin herstellen (Typ 2, Insulinresistenz einhergehend mit anderen Faktoren des metabolischen Syndroms) um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Wird die Krankheit nicht therapiert, kommt es zur Überzuckerung (Hyperglykämie) und/oder zur Unterzuckerung (Hypoglykämie).

Diabetes Typ 1 tritt häufig bei jungen Menschen auf. Früher wurde deshalb der Begriff juveniler Diabetes verwendet. Aber auch Erwachsene können einen Diabetes Typ 1 entwickeln. Oft sind die Patienten bei der Diagnose untergewichtig, fühlen sich schlapp und müde, energielos und abgeschlagen. Ein sehr starkes Durstgefühl und schliesslich häufiges Wasserlassen sind weitere Hinweise der Krankheit im Anfangsstadium. Bei dieser Diabetesform müssen die Patienten mehrmals täglich Insulin spritzen und regelmässig den Blutzucker testen.

Diabetes Typ 2 ist eine schleichende Krankheit und macht sich nur langsam bemerkbar. Dieser Diabetes wurde früher Altersdiabetes genannt, kommt heute jedoch leider immer öfters auch bei jungen Erwachsenen vor. Oft haben die Patienten Übergewicht (viszerales Fett) und weitere Symptome des metabolischen Syndroms wie Hypertonie (chronisch erhöhten Blutdruck) und entwickeln schliesslich eine Insulinresistenz. Je nach dem wie weit die Krankheit fortgeschritten ist, kann neben der Einnahme von blutzuckersenkenden Medikamenten auch das Spritzen mit Insulins zur Therapie hinzukommen.

Ganz egal ob Typ 1 oder 2, alle Diabetiker müssen auf ihre Ernährung achten.
Typ 2 Diabetiker haben zum Teil noch eine halbwegs intakte aber angeschlagene Bauchspeicheldrüse welche noch etwas Eigeninsulin herstellt. Mit einer kohlenhydratarmen Ernährung und ausreichend körperlicher Bewegung können Typ 2 Diabetiker ihre Insulinresistenz oft verbessern. In vielen Fällen kann so die Insulinsensivität wieder hergestellt und die eigene Insulinproduktion  gesteigert werden. Mit dem richtigen Mix aus Bewegung und Ernährung können Medikamente drastisch reduziert oder gar ganz weggelassen werden. Eine lohnenswerte Investition welche die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden enorm steigert.

penDer Pankreas der Typ 1 Diabetiker produziert kein Insulin mehr. Typ 1er müssen daher mittels Injektion (Pen) oder Insulinpumpe Insulin von Aussen zuführen.
Oft bekomme ich zu hören, von den Angehörigen aber auch von Diabetikern selbst, dass sie alles essen dürfen, solange sie Insulin spritzen. Für mich ist dies aber ein Widerspruch insich. Klar, Menschen mit einer Laktoseintoleranz können auch normale Milch trinken und Fondue essen, solange sie vorher eine Tablette schlucken um die Symptome weitgehend zu unterdürcken. ABER es ist nicht Sinn und Zweck der Sache, seinem Körper das zu geben, was er nicht verträgt, egal um welche Krankheit es sich handelt und welche Behandlungen es bereits gibt. Personen mit einer Laktoseintoleranz oder auch Menschen mit Zöliakie werden Milchprodukte resp. glutenhaltige Lebensmittel meiden wie der Teufel das Weihwasser. Bei Diabetes ist es das Selbe. Diabetiker sind kohlenhydratintolerant und sollten daher auf  Kohlenhydrate, welche den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen lassen, verzichten. Dabei spielt es keine Rolle ob das Brot oder die Pasta aus Weiss- oder Vollkornmehl ist, letzteres lässt den Blutzuckerspiegel langsamer, aber gleich hoch emporsteigen.

insulinpumpeDiabetes, ganz egal ob Typ 1 oder 2, ist eine Krankheit welche man gut in den Griff kriegen kann und richtig therapiert keine grossen Einschränkungen auf das Leben hat. Es benötigt jedoch Zeit und etwas Mühe sich damit auseinanderzusetzen, aber ich verspreche euch, es lohnt sich! Denn nur so lassen sich Spätfolgen vermeiden wie Gefässkrankheiten (Bluthochdruck, Durchblutungsstörungen in den Beinen bis hin zur Amputation, Schlaganfall, Herzinfarkt, Erektionsstörungen), Schäden an der Augennetzhaut (Retinopathie) bis hin zur Blindheit, Nierenschäden (Nephropathie) bis hin zu Niereninsuffizienz, Nervenschäden (Neuropahtie) wie z.B. Kribbeln, Ameisenlaufen oder Taubheit in den Beinen und Füssen.

Ganz schön viele und krasse Begleiterscheinungen eines schlecht eingestellten Diabetes, nicht wahr? Diese Fakten mussten aber sein, damit man auch mal wieder auf den Boden der Realität zurückfindet, wenn man die Krankheit mit einem müden Lächeln abtut. So, nun soll aber Schluss damit sein, und ich hoffe sehr, dass ich dir mit meiner Diabetes-Reihe (es werden noch einige Posts folgen) dabei helfen kann, deinen Diabetes besser in den Griff zu bekommen.

Leider werden Diabetiker, was ihre Diät angeht, noch immer falsch geschult: „Die richtige Ernährung bei Diabetes mellitus ist im weitesten Sinn gleichzusetzen mit einer vollwertigen, ausgewogenen Ernährung wie für gesunde Erwachsene mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. In der Regel müssen Diabetiker ihre Nahrung auf fünf bis sieben Mahlzeiten pro Tag aufteilen, um diese Blutzuckerwerte zu halten.“ Wenn ich schon nur diese beiden Sätze lese, stellen sich mir meine Nackenhaare auf! Das Zitat stammt aus einem Buch der Deutschen Gesellschaft für Ernährung aus dem Jahr 2011.

Nein, ein Diabetiker muss keine Kohlenhydrate essen. Wie bereits erwähnt, Diabetiker sind kohlenhydratintolerant. Der menschliche Körper generell ist NICHT auf Kohlenhydrate angewiesen, dies wurde bereits mehrfach wissenschaftlich bewiesen.
Von den Makronährstoffen sind lediglich Eiweiss (Protein) und Fett essentiell. Das Eiweiss kann durch keinen anderen Nährstoff ersetzt werden, eine ausreichende Proteinversorgung ist deshalb lebensnotwendig. Eiweiss erfüllt eine Reihe an wichtigen körperlichen Funktionen wie die Abwehr von Krankheiten, Transport von Sauerstoff im Blut und Erhaltung von Muskelmasse um nur einige zu nennen. Fett ist ebenfalls unabdingbar für die Aufnahme von fettlöslichen Vitaminen (Vitamin A, D, E und K). Des Weiteren sind die Linol- und Alpha-Linolensäure verantwortlich für den Aufbau von neuen Zellmembranen, bilden den Baustein für diverse Gewebshormone und halten das Immunsystem in Takt. Die beiden erwähnten Fettsäuren sind sogenannte mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Linolsäure (Omega-6) ist beispielsweise in Sonnenblumen- oder Weizenkeimöl enthalten. Hierbei ist es jedoch wichtig, dass man nicht zu viel Omega-6-reiche Lebensmittel isst, da diese Fettsäure bei Überkonsum Entzündungen fördert. Alpha-Linolensäure (Omega-3) ist in fetten Fischsorten wie Lachs, Thon, Forelle, Makrele und Hering enthalten.

teststreifenDawn-Phänomen:

Bestimmt hast du bereits von dem „Dawn-Phänomen“ gehört oder deine ganz eigene Erfahrung damit gemacht. Das Dawn-Phänomen (übersetzt Morgendämmerung) bezeichnet den Blutzuckeranstieg in den frühen Morgenstunden und die damit einhergehende kurzzeitige Insulinresistenz des Körpers. Meistens geschieht dies zwischen 4 und 7 Uhr morgens. Der Körper bereitet sich für’s Aufwachen vor und schüttet eine Reihe an Stress- und Wachstumshormonen (Cortisol, Adrenalin, Glukagon, usw.) aus. Des Weiteren hat auch die Glukoneogenese (Zuckerneubildung) welche sich jetzt abspielt einen grossen Einfluss auf das Dawn-Phänomen. Die in der Leber „eingesperrten“ Zuckerreserven werden vermehrt freigesetzt, dies bewirkt dass das Insulin während dieser Zeit weniger effektiv ist und es kommt zum ungewollten Anstieg der Nüchternblutzuckerwerte.

Folgende Gegenmassnahmen können dir helfen den morgendlichen Blutzuckeranstieg zu minimieren:

  • das Abendessen mind. 3 Stunden vor dem zubettgehen einnehmen
  • auf Spätmahlzeiten/Snacks sowie Alkohol verzichten
  • abendliche aerobe Sporteinheit nach dem Abendessen (Cardio-/Ausdauertraining bei mittlerer Intensität: Joggen, Radfahren, Schwimmen, Walken, Tanzen, etc.)
  • den Proteinanteil des Abendessens kleiner wählen als beim Frühstück und Mittagessen
  • Anpassung der nächtlichen Basalrate (Insulinpumpe) bzw. des Langzeitinsulins (ICT) mit Rücksprache deines Arztes

Ein Zuviel an Eiweiss kann vom Körper in Glukose umgewandelt werden und lässt so den Blutzuckerspiegel ansteigen. Dies geschieht jedoch sehr verzögert. Daher ist es ratsam den abendlichen Anteil an Protein (Fleisch, Geflügel, Fisch, Eier, Käse, usw.) klein zu halten und mehr auf kohlenhydratarme Gemüsesorten und eine gute Fettquelle zu setzen. Es ist möglich, dass du drei Stunden nach einem proteinreichen Abendessen mit einem guten Blutzuckerwert zubett gehst, denn erfahrungsgemäss steigt der Blutzucker erst nach fünf Stunden merklich an. Daher ist es ratsam, den Eiweissanteil beim Abendessen zu minimieren. Setze auf kohlenhydratarme Gemüsesorten (Broccoli, Blumenkohl, Spargel, Champignons, Spinat, Zucchetti, Gurke, grüne Peperoni und Blattsalate). Bitte beachte, dass gekochtes Gemüse den Blutzuckerspiegel schneller ansteigen lässt als Rohkost.
Solltest du eine Insulinpumpe tragen, kannst du einen verzögerten Bolus über mehrere Stunden abgeben, somit beugst du einer Blutzuckerspitze während der Nacht vor.

Da das Insulin am Morgen wegen des Dawn-Phänomens nicht so effektiv wirkt wie um andere Tageszeiten, empfehle ich den Kohlenhydratanteil beim Frühstück gering zu halten und auf Protein und Fett zu setzen. Dies kann in Form von Eiern sein (Spiegelei, Rührei, hart gekochtes Ei, Omelette mit Gemüse und etwas Käse oder Schinken) oder bereite dir zum Beispiel einen Salat aus Gurken, Feta, Oliven und etwas Tomate mit einem Esslöffel Olivenöl und ein Spritzer Zitrone zu.

Das Frühstück muss nicht immer zwingend aus Eiern bestehen. Am Besten denkst du nicht in Frühstück, Mittag- und Abendessen sondern in Mahlzeit 1, 2 und 3. So kannst du für die Mahlzeit 1 auch eine Dose Thunfisch mit etwas Mayonnaise, eine halbe Avocado oder Reste vom Abendessen wählen. Iss worauf du Lust hast, solange es mit den oben erwähnten Kriterien übereinstimmt.

Um nochmals auf die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zurück zu kommen, welche fünf bis sieben (!) kleine Mahlzeiten für einen konstanten Blutzuckerspiegel empfiehlt: diese Behauptung ist schlichtweg falsch! Wie kann der Blutzuckerspiegel konstant gehalten werden, wenn alle zwei bis drei Stunden wieder Holz ins Feuer geworfen wird? Ausser pures Fett, erhöht jedes Lebensmittel den Blutzuckerspiegel! Der Körper wäre daher andauernd damit beschäftigt „das Feuer“ (die Kohlenhydrate) zu löschen (abzubauen). Bedenke, dass Insulin das einzige Hormon ist welches Körperfett aufbaut. Gerade wenn du ein paar Kilos abnehmen möchtest, ist es äusserst kontraproduktiv fünf bis sieben Mahlzeiten zu essen, egal wie kalorienarm diese sind. Ich empfehle daher nur drei Mahlzeiten am Tag und dazwischen eine Pause von vier bis fünf Stunden. Keine Angst, der Körper bzw. der Kopf gewöhnt sich sehr schnell an diesen Rhythmus. Mit diesen Pausen hat dein Körper genügend Zeit den Blutzuckerspiegel zu normalisieren und konstant zu halten. Darüber hinaus hat er so auch die Möglichkeit überschüssiges Körperfett abzubauen.

Probiere doch einfach den einen oder anderen Tipp aus. Über ein entsprechendes Feedback würde ich mich sehr freuen.

logo elenaehrung

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4 Kommentare zu „Diabetes mellitus: Facts & Tipps zur Normaliserung des Blutzuckers beim Dawn-Phänomen

  1. Der Aufwand für diesen Beitrag war sicher sehr hoch. Bist du selbst Diabetikerin?

    Für mich sind die Anweisungen nicht umsetzbar.

    Thunfisch oder Salat zum Frühstück? Nein danke!
    Kohlenhydrate weglassen? Von was soll ich dann bitteschön satt werden?!
    Und wenn ich nun Vegetarierin bin.. soll ich dann nur noch Fett, Obst und Gemüse essen?

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    1. Hi „Diabetikerin Typ 1“

      Es freut mich sehr, dass dir mein Beitrag gefällt. Ich gebe mir bei jedem einzelnen Post viel Mühe und die Diabetes-Beiträge sind sowieso eine Herzensangelegenheit, denn ich selbst habe ja auch Diabetes Typ 1 seit nun bald 15 Jahren.

      Meine Tipps zur Mahlzeit 1 (aka Frühstück) mögen vielleicht zuerst etwas ungewohnt klingen, aber probier es doch einfach aus. Klar, du musst kein Thunfisch zum Frühstück essen, wie wäre es dann mit Lachs? Oder wenn du Vegetarierin bist, könntest du z.B. Rührei mit kurz angebratenem Gemüse (Paprika, Zucchini, Schallotten, Pilze, …) machen. Oder sogar ein Tofu-Rührei falls du dich vegan ernährst. Selbst ein Chia-Pudding ist ganz leicht gemacht mit Leinsamen und Kokosflocken. Und wenn du magst, kannst du noch ein paar Beeren darunter mischen.

      Low Carb funktioniert auch vegetarisch und für viele Diabetiker ist dies auch die einzig gut umsetzbare Lösung für eine flache Blutzuckerkurve.

      Ich wäre begeistert wenn du’s mal ausprobierst und vergiss nicht darüber zu berichten! ;)

      Liebe Grüsse
      Elena

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  2. Hallo, Elena, bin seit 18 Jahren Typ 2, habe mit LC 40 kg abgenommen und musste immer mal wieder Insulin spritzen. Jetzt bin ich mit str.engem LC wieder weg davon, muss allerdings nach wie vor Metformin nehmen und habe genau dieses „Dawn-Syndrom“. Außerdem schaffe ich es nicht, mehr Gewicht zu verlieren zu verlieren, trotz Bewegung. Leider sind die Diabetologen wenig aufgeschlossen fü LC. Hast du eine Idee, was ich ändern könnte? Danke :-)

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